Dame und Herr heute
Im Geschäftlichen zählen nicht das Geschlecht, sondern
das Wissen, die Erfahrung und die Kompetenz. Mann und
Frau richten sich gleichermaßen nach der Hierarchie. Ob
Managerin, Abteilungsleiterin oder Sekretärin: Geschlechtsspezifische
Sonderbehandlungen, Bevorzugungen
und Benachteiligungen sind out.
Position und Status beachten
Wichtiger als das Geschlecht sind die Rolle, die Position und der
Status, den eine Person inne hat sowie die üblichen Gebote der
Höflichkeit:
- Der Chef wird vor der Sekretärin begrüßt, weil
er ranghöher ist.
- Die Abteilungsleiterin betritt beim Geschäftsessen als erste
das Restaurant, weil sie die Gastgeberin ist.
- Die Marketingassistentin schenkt zuerst dem Web- Designer eine
Tasse Kaffee ein, weil er der Kunde und Gast ist.
- Die Auszubildende hält für den Auszubildenden die Tür
auf, der gerade eine Kiste mit Ordnern in den Armen hält.
Lediglich, wenn es keine Hierarchie-Unterschiede gibt, ist es nett,
der Dame den Vorzug zu geben.
Ein Beispiel:
Sie treffen eine Projektleiterin und fünf Projektleiter. In diesem
Fall ist es höflich, zuerst die Dame zu begrüßen und
ihr somit den Vorzug zu geben.
Gastgeschenke
Lassen Sie sich die exzellente Gelegenheit nicht entgehen, Ihre Geschäftspartner
mit der Geste des Schenkens positiv zu stimmen.
Die wichtigsten Anlässe für offizielle Gastgeschenke:
- Geschäftsbesuche
- Konferenzen und Tagungen
- Essenseinladungen
Beachten Sie stets die
10 Grundregeln zur perfekten Gastgeschenkepraxis
- Verschenken Sie Präsente anlassgerecht nicht nur als Gast,
sondern auch als Gastgeber zur Erinnerung an die Begegnung.
- Ziehen Sie als Entscheidungshilfe für den Wert Ihres Geschenks
Anlass, persönliche Beziehung, eigene Position, Position und
Interessen des Empfängers in Betracht.
- Ihre Präsente sollten nie zu üppig oder übertrieben
wirken. Der Eindruck der Aufdringlichkeit, Anbiederung oder Verpflichtung
muss vermieden werden. Der Wert eines Geschenks liegt nicht im Kaufpreis
oder in der Größe, sondern im gedanklichen und persönlichen
Einsatz bei der richtigen Auswahl.
- Beachten Sie die Wertgrenzen des Gastgeschenks zur Vorteilsannahme
und Bestechung.
- Bedenken Sie, dass Geschenke, die zu persönlich sind, zu
einem peinlichen Vorgang ausarten können, vor allem, wenn die
beschenkte Person das Präsent coram publico auspackt.
- Berücksichtigen Sie bei Ihren Geschenküberlegungen auch
Abneigungen und Eigenarten der oder des Beschenkten. Religiöse,
nationale, traditionelle Besonderheiten, aber auch abergläubische
Überlieferung, zum Beispiel bei bestimmten Blumen oder bei
Scheren und Messern.
- Denken Sie bei Delegationsbesuchen daran, für jedes Mitglied
der Delegation ein Geschenk einzuplanen.
- Stimmen Sie Zeitpunkt und Ritual der Geschenkübergabe rechtzeitig
mit Ihrem Gegenüber ab.
- Halten Sie in Ihrem Unternehmen einen attraktiven, gut sortierten
Gastgeschenke-Fundus bereit, den Sie Ihrem Budget anpassen. So können
Sie kurzfristig auf die wichtigsten Anlässe reagieren.
- Führen Sie eine Geschenkedatei, so dass Sie immer nachvollziehen
können, wem Sie was geschenkt haben.
Platzierung
Wen setzen Sie neben wen, ohne Unmut und Ärger bei Ihren Gästen
zu verursachen? Das ist immer wieder die entscheidende Frage im Hinblick
auf Stimmung und Atmosphäre Ihrer Veranstaltungen, wie Besprechungen
und Konferenzen, Essen und Festakte.
6 Vorteile des Platzierens
Die Vorteile einer klugen Platzierung für Ihre Sitzordnung liegen
auf der Hand:
- halten die Rangfolge ein, die die einzelnen Gäste und Gastgeber
erwarten.
- Sie unterbinden Grüppchenbildungen.
- Sie trennen Kontrahenten und vermeiden schlechte Stimmung.
- Sie ermöglichen eine gute Kommunikation, indem Sie z. B.
Interessen und Sprachbarrieren (bei ausländischen Gästen)
bedenken.
- Sie fördern eine bunte und ausgewogene Mischung aus Damen
und Herren.
- Sie beugen Unmut, Ärger und unbeabsichtigten Kränkungen
vor.
Wenn es förmlich wird, ist die namentliche Platzierung Pflicht.
Es wäre fatal, die Sitzordnung dem Zufall zu überlassen.
Wenn Sie sich an die folgenden Grundregeln halten, vermeiden Sie peinliche
Fehler:
10 Grundregeln für die Sitzordnung
1. Protokollarische Rangfolge
Bei allen Veranstaltungen mit offiziellem Charakter spielt die protokollarische
Rangfolge eine zentrale Rolle. Der Gast erwartet die korrekte Einordnung
gemäß gesellschaftlichem Status seiner Person. Ordnungsprinzipien
für die Rangfolgebildung sind z. B. Dienstränge und Hierarchiestufen
in Behörden und Unternehmen, Mandatsträger vor Amtsträgern
(gewählte vor ernannt), diplomatischer Status, Ausländer
vor Inländern, Damen vor Herren bei Gleichrangigkeit u. a. m.).
2. Ranghöchste Plätze
Die ranghöchsten Plätze sind zur Rechten von Gastgeberin
und Gastgeber. Zusätzlich gilt der Platz gegenüber der Gastgebenden
als Ehrenplatz. Je niedriger die Rangstufe eines Gastes ist, desto
weiter ist sein Platz von den Gastgebenden entfernt.
3. Gastgeberpaar
Lädt ein Paar ein, sitzen sich Gastgeberin und Gastgeber üblicherweise
gegenüber, entweder an der Tafelmitte oder an den Stirnseiten.
4. Platzierungssystem
G5 G1 GG/m G3 G7
G8 G4 GG/w G2 G6
Erläuterung:
GG/w = Gastgeber/weiblich
GG/m = Gastgeber/männlich
G1 – G 8 = Gäste gemäß ihrer Rangfolge
5. Ehe- und Lebenspartner
können zusammen oder getrennt platziert werden, je nach dem,
welche Durchmischung Sie gern wünschen.
6. Randplätze
Sie sollten vermeiden, Damen oder ausländische Gäste am
Ende oder an einsamen Stirnseiten einer Tafel zu platzieren.
7. Sprachbarriere
Mangelnde Fremdsprachenkenntnisse können manchen Gästen
die Stimmung erheblich verhageln. Recherchieren Sie daher bei Gästen
verschiedener Nationalitäten die Fremdsprachenkenntnisse und
platzieren Sie entsprechend.
8. Kurzfristige Absagen
Bei kurzfristigen Absagen, die eine Änderung Ihrer Tischordnung
nicht mehr zulassen, bleibt der Platz des verhinderten Gastes im allgemeinen
unbenutzt. Können Sie die Lücke wegen der daneben platzierten
gegebenenfalls hochrangigen Gäste nicht vertreten, bitten Sie
einen anderen Ihnen geeignet erscheinenden Gast, den freien Platz
einzunehmen.
9. Tischkarten
Die Tischkarte am Platz des Gastes ist bei namentlicher Platzierung
Pflicht. Die Tischkarte wird beidseitig beschriftet und trägt
den Zunamen des Gastes (davor Frau/Herr) ohne akademische Titel, Amts-
oder Funktionsbezeichnungen. Eine andere übliche Variante ist
die Beschriftung mit Vor- und Zunamen ohne die Zusätze Frau/Herr.
Auf Tischkarten kann auch das Logo des Gastgebers in Druck oder Prägung
wiedergegeben werden.
10. Placement oder Sitzspiegel
Stellen oder hängen Sie das Placement mit der Sitzordnung bei
der Veranstaltung im Foyer oder am Eingang des Veranstaltungsraumes
auf, um den Gästen die Orientierung zu erleichtern. Günstig
ist auch das Auslegen oder Aushängen der Tisch- und Sitzordnung
in dem Raum, in dem sich die Gäste zu Beginn sammeln, etwa zum
Aperitif. Hier hat jeder Gast Gelegenheit, sich über seinen Platz
und die seiner Tischnachbarn zu informieren.
Pünktlichkeit
Die Eigenschaft einer Person, einen verabredeten Zeitpunkt oder einen
Termin präzise einzuhalten geht in unserer Gesellschaft Hand
in Hand mit Verlässlichkeit und Höflichkeit. Wobei bekanntlich
kein anderes Volk in Europa als so pünktlich gilt, wie die Deutschen.
Pünktlichkeit signalisiert Höflichkeit und Respekt
Auch wer sich selbst oft verspätet, möchte nicht gerne
warten gelassen werden. Pünktlichkeit signalisiert Achtung vor
der Planung anderer sowie das Einhalten von Vereinbarungen. Unpünktlichkeit
dagegen ist ein Zeichen von schlechter Organisation und Überheblichkeit.
Pünktlich heißt fünf Minuten vorher vor Ort sein!
Zu spät
Unpünktlichkeit gilt als unhöflich, und eine Verspätung,
die eine gewisse Toleranzgrenze überschreitet, kann als
Beleidigung und Respektlosigkeit wahrgenommen werden.
Die tolerierte Grenze liegt zwischen fünf und 15 Minuten.
Jedem kann es einmal passieren, dass er sich verspätet,
verschuldet oder unverschuldet. Was dann:
- Verspätungen müssen die Ausnahme und nicht die Regel
sein
- Sobald Sie absehen können, dass Sie sich verspäten
werden, informieren Sie Ihren Terminpartner mit einer Entschuldigung
und vereinbaren Sie eine neue Ankunftszeit.
- Wenn der Grund für die Verspätung peinlich oder unhöflich
ist (vergessen/verschlafen), nennen Sie keinen.
Zu früh
Wenn Sie, um pünktlich zu sein, einen Zeitpuffer einpla-
nen, den Sie jedoch nicht brauchen kann es sein, dass Sie
zu früh am Zielort eintreffen. Was dann:
- Im Berufsleben spricht nichts dagegen auch früher einzutreffen,
gegebenenfalls müssen Sie eben noch warten.
Achtung: Im Erstkontakt mit Kunden und Geschäftspartnern
sollten Sie jedoch weder zu früh noch zu spät kommen.
- Im gesellschaftlichen Leben, besonders in Privathaushalten, ist
vorzeitiges Erscheinen ein Tabu
Gäste und Damen warten nicht
Wenn Sie sich als Gastgeber oder Herr an einem anderen Ort als Ihrem
Haus oder Büro mit einem Gast oder einer Dame verabredet haben,
dann sollten Sie unbedingt ein paar Minuten früher am verabredeten
Ort erscheinen. Der Gast oder die Dame dürfen auf keinen Fall
auf Sie warten müssen, das wäre äußerst unhöflich.
Rechtzeitig zum Vorstellungsgespräch
Bei großen Firmen kann es einige Zeit dauern, bis Sie sich
beim Pförtner/Empfang angemeldet haben. Auch der Weg von der
Pforte zum Büro Ihres Gesprächspartners kann weit sein.
Planen Sie deshalb dafür je 10 Minuten Zeit ein. Wenn Sie die
Zeit für die Anmeldung beim Pförtner und die Distanz innerhalb
des Gebäudes überschätzt haben, bitten Sie den Pförtner,
noch ein paar Minuten mit dem Anruf bei Ihrem Gesprächspartner
zu warten, damit Sie nicht mehr als 15 Minuten vorher dort eintreffen.
Zeitkürzel
Die Abkürzung c.t. steht für „cum tempore”
und beschreibt das „akademische Viertel”, das Professoren
an der Universität eingeräumt wird, um nach einer Vorlesung
die Studentenfragen zu beantworten, die Unterlagen zusammen zu packen
und den Saal zu wechseln. Im Gesellschaftlichen Leben wurde dieses
Kürzel auf Einladungen hinter der Uhrzeit übernommen um
auszudrücken, dass ein Erscheinen auf die Minute nicht nötig
ist.
Die Abkürzung s.t. steht für „sine tempore”
und sagt aus, dass ein Erscheinen auf die Minute pünktlich erwünscht
ist.
Schreibweise am Beispiel von 8 Uhr
8 Uhr sine tempore (abgekürzt: 8 Uhr s.t. oder 8h st) = 8:00
Uhr
8 Uhr cum tempore (abgekürzt: 8 Uhr c.t. oder 8h ct) = 8:15 Uhr
Veranstaltungen organisieren
Geschäftlich hängt viel vom Ablauf einer Veranstaltung
ab, manchmal alles: Akzeptanz oder Ablehnung, Erfolg oder Misserfolg.
Da Veranstaltungen oft unter hohem Zeitdruck organisiert werden müssen,
sind Checklisten unverzichtbar.
Die erste entscheidende Checkliste, die Sie zur Hand nehmen sollten,
und von der alle weitere Detailplanung abhängt, ist die Prüfliste
für die Gesellschaft.
1. Anlass und Veranstaltungsform
Sie entscheiden, welche Veranstaltungsform Sie für einen gegebenen
Anlass wählen.
Beispiel:
- Der runde Geburtstag eines hochrangigen Mitarbeiters
kann sowohl mit einem Empfang als auch mit einem festlichen Abendessen
oder mit einer Kombination verschiedener Veranstaltungsformen begangen
werden.
2. Ziel und Gestaltung
Keine Veranstaltung kommt ohne konkrete Zielsetzung aus.
Beispiel:
- Die Ehrung einer Persönlichkeit, die Würdigung
einer Institution, die Präsentation eines neuen Produkts.
3. Datum
Der sorgfältige Gegencheck mit parallelen oder konkurrierenden
Terminen ist unverzichtbare Pflicht bei Ihrer Terminplanung.
Beispiel:
- Messetermine, Ferientermine, Wahltermine, Großveranstaltungen
von Sport und Kultur.
4. Dauer
Das natürliche Bedürfnis des Menschen nach Nahrung und
Abwechslung stellt jeden Veranstaltungsorganisator vor die Frage:
Wie lange dauert meine Veranstaltung?
Beispiel:
- Je nach Zeitspanne zusätzliches Speisen- und Getränkeangebot,
Ortswechsel, Raucherpausen
5. Budget
Keine Frage: Geld allein macht noch keine gute Veranstaltung. Dennoch:
Das Budget ist das Maß aller Dinge.
Beispiel:
- Stehempfang oder gesetztes Essen? Catering oder Selbsteinkauf?
Fremdräume oder eigene Veranstaltungsräume?
6. Ort
Mit Ihrer Entscheidung über den Ort der Veranstaltung setzen
Sie einen bewussten Akzent Ihres persönlichen Stils und Geschmacks.
Er wird bei den Eingeladenen vorrangig beachtet und bewertet.
Beispiel:
- Hotel oder Schloss?
- Restaurant oder Kantine?
- Garten oder Schiff?
7. Bewirtung
Gerade bei der Bewirtung kennen viele Gäste kein Pardon, wenn
es darum geht, eine Veranstaltung zu kritisieren. Daher ist hier die
Gratwanderung zwischen Mangel und Überfluss besonders schwierig.
Die Fachleute aber sind die Gastronomen, Bankettleiter und Küchenchefs.
Sie müssen Ihnen im Bedarfsfall fach- und budgetgerechte Empfehlungen
unterbreiten.
8. Einladungsverfahren
Die Einladung ist die Visitenkarte des Veranstalters. Sie ist der
erste Eindruck, den der Eingeladene von der Veranstaltung erhält.
Es beginnt mit der anlassbezogenen Zusammenstellung der Einladungsliste
sowie der textlichen und grafischen Gestaltung der Einladung und der
zugehörigen Anlagen (Antwortkarte, Fahrtskizze, Lageplan z. B.).
Weiterhin ist die Wahl der richtigen Vorlaufzeit für den Versand
zu berücksichtigen.
9. Ablauf
Lassen Sie sich nicht von eingefahrener Routine und begrenzten Budgets
beeindrucken. Verleihen Sie jeder Ihrer Veranstaltungen im Ablauf
eine persönliche Handschrift. Holen Sie sich Ideen zu kreativen
Variationen z. B. per Brainstorming im Veranstaltungsteam oder durch
externe Berater.
10. Medienbegleitung
Tue Gutes und rede darüber!
Diese bewährte PR-Weisheit greift auch und gerade im Veranstaltungssektor.
Wenn Sie mit Ihrer Veranstaltung auch eine Botschaft in eine breitere
Öffentlichkeit transportieren möchten, denken Sie an den
rechtzeitigen Kontakt zu den Medien.
Beispiel:
- Pressemitteilung, Presse-Konferenz, Fotojournalisten.
Vorangehen und Begleiten
Ob Bewerber oder Besucher, Dienstleister oder Kunde, weiblich oder
männlich: Ein Gast erhält dann einen guten ersten Eindruck
Ihrer Firma, wenn er in Ihrem Revier zuvorkommend, höflich und
seinem Status angemessen betreut wird.
Holen Sie den Gast ab
Je höher der Status eines Gastes ist, umso weiter sollten Sie
ihm entgegengehen. Holen Sie ihn
- am Flughafen/am Bahnhof
- am Auto/auf dem Firmenparkplatz
- an der Rezeption/an der Anmeldung
ab. Lassen Sie ihn nicht alleine durch das Gebäude irren, sondern
führen Sie ihn zum Besprechungsraum. Kommen Sie ihm im wahrsten
Sinne des Wortes entgegen.
Gewähren Sie dem Gast den Vortritt
Als Gastgeber sorgen Sie für Ihren Gast.
Dazu gehört, dass
-
Sie ihn an seine Sicherheit denken. Auf dem
Fußweg überlassen Sie ihm die sichere Seite, die der
Straße abgewannt ist. Gibt es Gefahrenzonen (Produktionshallen
etc.) gehen Sie voran und erläutern Ihr Verhalten. „Wenn
Sie einverstanden sind, gehe ich hier voran.”
- Sie ihm generell den Vortritt gewähren.
Ein schöner Rücken kann in diesem Fall nicht entzücken.
Halten Sie für Ihren Gast die Tür auf, lassen Sie ihn
zuerst hindurch schreiten. Es gilt die Regel: Während Sie den
Gast begleiten, muss er im Idealfall keinerlei Türklinken selbst
berühren.
- Sie die Etikette kennen. Geht es eine Treppe
hinauf, gewähren Sie Ihrem Gast wie an der Tür den Vortritt.
Geht es die Treppe hinunter, gehen Sie vor. Sollte der Gast, der
sich nicht so gut auskennt, stolpern, könnten Sie ihn stützen
und auffangen, statt nur noch hinterherzuwinken.
- Sie sich partnerschaftlich zeigen. Ist der Gang
breit genug, gehen Sie nebeneinander, sonst gewähren Sie dem
Gast wieder den Vortritt
- Sie nicht kommandieren. Ist der Weg sehr kompliziert,
ist es das praktischste, selbst vorzugehen, als dem Gast von hinten
Anweisungen zuzurufen. Eine höfliche Frage hilft:
„Gestatten Sie, dass ich bis zum Besprechungszimmer vorgehe?”
Schlussmachen per SMS – Feigheit unter dem Deckmantel der guten Manieren?
In den Medien sorgt zurzeit das Gerücht für Verwirrung, dass Schluss
machen per SMS erlaubt sei.
Wer wünscht sich, per SMS abserviert zu werden? Die Antwort erübrigt
sich: Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage, die im vergangenen Jahr
durchgeführt wurde, finden 92 Prozent der Deutschen das Schlussmachen per
SMS niveaulos. „Mit dieser Idee liegt Knigge total daneben“ sagt
ein 20-jähriger im Interview. Feigheit legitimieren unter dem Deckmantel „guter
Manieren“? Das geht den Deutschen zu weit. Uns auch.
Telefon oder Fax, E-Mail oder Brief, SMS oder Twitter-Nachricht? Die Vielfalt
an Kommunikationstechniken hat ihre Vorzüge. Allerdings lassen sich die
Kommunikationsmedien nicht beliebig substituieren.
Trennungskultur oder Trennungsunkultur?
Trennung hat genau wie die Kommunikation zwei Ebenen: Die Sachebene und die
Gefühlsebene.
Eine SMS mit 160 Zeilen gewährt der Emotion nicht den Raum, der ihr gebührt.
Eine SMS wie „Treffen uns um 8.00 Uhr vorm Kino“ hat keine emotionale
Brisanz. Ganz anders verhält es sich mit der Nachricht „Liebe
Dich nicht mehr. Es ist aus.“
Adolf Freiherr Knigge ging es um den respektvollen Umgang miteinander, und
der ist so aktuell wie nie. Lassen Sie sich deshalb nicht von „neuen Regeln“ verunsichern,
die respektlos sind oder die niemand benötigt. Wir empfehlen das Handeln
nach der guten alten Regel: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg
auch keinem andern zu“.