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Pressemitteilung vom 31. Juli 2010
Internet/Social Media
Freundschaft auf den ersten Klick:
Knigge-Rat warnt vor naiver
Gleichmacherei in sozialen Netzwerken
Social-Media-Knigge zur Besinnung auf soziale Vielfalt
Bonn – Der Deutsche Knigge-Rat warnt davor, in der virtuellen Welt das
Gespür für reale Beziehungsgeflechte zu verlieren. „Wenn sich
beispielsweise in Facebook alle Teilnehmer als Freunde bezeichnen müssen,
ist das ein Zerrbild des wirklichen Lebens", kritisiert Rainer Wälde,
Leiter des Knigge-Rats. Diese Vorschrift missachte die Vielschichtig¬keit
menschlicher Beziehungen und Umgangsformen bis hin zu Respekt, Achtung und Zurückhaltung.
„Schließlich ist im realen Leben der Umgang mit Bekannten, Verwandten,
Lehrern, Chefs, Kollegen oder Geschäftspartnern ein jeweils anderer als unter
Freunden."
Die virtuelle Welt von Social Media dürfe kein Freibrief für Gleichmacherei
sein. Einen Geschäftspartner oder Chef als „Freund“ anzusprechen,
könne dieser mit Recht als ungehörigen Übergriff auf seine Person
empfinden. Solche Normierung entwerte Begriff und Bedeutung der Worte Freund und
Freundschaft.
12-Punkte-Kodex für das Leben im Internet
Der Deutsche Knigge-Rat hat deshalb die Forderung von Verbraucherschutzministerin
Ilse Aigner nach neuen Verhaltensregeln im Netz aufgegriffen und einen Social-Media-Knigge
erarbeitet. Der 12-Punkte-Kodex ruft nicht nur zur respektvollen Kommunika¬tion,
sondern auch zur kritischen Auswahl der Netzwerke auf. Entscheidend dabei sei,
so Rainer Wälde, ob die Plattform beruflich oder privat genutzt werden soll.
„Vermeiden Sie die Vermischung beider Bereiche und geben Sie allzu vertrauliche
Informationen nicht preis.“
Plumpe Vertraulichkeiten, wie die Bezeichnung „Freund“ gegenüber
einer Respekts-person, oder fiktive Identitäten seien ebenfalls tabu. „Nicht
nur Freunde, sondern auch Geschäftspartner recherchieren im Internet. Wer
vorgibt, jemand zu sein, der er gar nicht ist, wird in der Realität schnell
entlarvt. Seine Glaubwürdigkeit ist dahin“, warnt Wälde.
Auch wenn das Internet ein schnelles Medium ist, dürfe die Höflichkeit
nicht weiter unter die Räder kommen. „Für eine korrekte Anrede
und einen höflichen Abschieds-gruß muss immer Zeit sein.“ Vor
allem sollte man sich genau überlegen, wen man duzt; „einen Geschäftspartner
bestimmt nicht“.
Zuerst denken, dann schreiben
Eine weitere vom Deutschen Knigge-Rat aufgestellte Verhaltensregel: Zuerst
denken und dann schreiben. Empfehlenswert die Überlegung: „Möchte
ich in zwei Jahren noch lesen, was ich damals geschrieben habe?“ Der Hintergrund:
Das Internet vergisst nicht. „Und das wissen auch Personalverantwortliche
in Firmen, die Bewerberunterlagen mit Netzwerkeinträgen vergleichen.“
Vorsicht vor jenen, die möglichst viele Kontakte auf ihrer Liste vorweisen.
„Dies ist kein Zeichen von Qualität sondern eher für Oberflächlichkeit
und Geltungssucht.“ Der Social-Media-Knigge empfiehlt in einem solchen Fall:
„Keine Scheu davor, die Aufnahme in dessen Liste höflich abzulehnen.“
Der Deutsche Knigge-Rat ist der Überzeugung: Die sozialen Netzwerke müssen
das reale Leben der Menschen mehr beachten. Ansonsten sei in Social Media wenig
„sozial“ drin. „Nur dann können diese Netzwerke auf Dauer
das sein, was früher einmal die Dorflinde war, unter der sich die Menschen
zum täglichen Meinungsaustausch getroffen haben - ein Ort, der soziales Gefüge
wachsen ließ.“
Der Deutsche Knigge-Rat
/ 31.07.2010
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